Herman Joachim Kähler (1808-1884)

Herman J. Kähler kommt aus Norddeutschland und lässt sich 1839 in Næstved nieder. Kurz nach seiner Ankunft 1839 eröffnet er seine Töpferei in der Kindhestegade in Næstved. Das ist der Beginn der Kähler-Geschichte.

Herman J. Kähler ist gelernter Töpfer. Wie es die Tradition vorschreibt, stellt er Gebrauchsgegenstände her, wie Milchschalen, Gurkentöpfe, Wöchnerinnentöpfe und Ähnliches. Die größte Anerkennung erreicht er jedoch durch seine Kachelöfen.

Herman J. Kähler leitet Kähler von 1839 bis 1872. In diesem Zeitraum wird er Vater von sieben Kindern. Die beiden Söhne, Herman August und Carl Frederik, übernehmen die Firma.

Als sich der alte Kähler 1872 aus dem Geschäft zurückzieht, übernehmen Herman August Kähler und sein Bruder Carl Frederik Kähler das Unternehmen. Carl Frederik führt die Produktion von Töpferwaren in der Kindhestegade weiter, während Herman August derjenige ist, der die Keramik von Kähler auf die globale Landkarte setzt.

Herman August Kähler (1846-1917)

Nach Abschluss seiner Lehrzeit bei seinem Vater lernt Herman August Glasurmalen im Holmegaard Glaswerk. Er reist in Europa herum und arbeitet in Werkstätten in Berlin, Straßburg und Paris. 1867 kehrt er voller Eindrücke und Inspiration nach Næstved zurück. Jetzt ist er bereit, die Werkstatt zu übernehmen. Bereits 1875 baut er eine neue Werkstatt, die heute als Kählersbakken bekannt ist. Hier beginnt er, sich dem künstlerischen Formen auseinanderzusetzen und experimentiert mit Glasuren. Dieser künstlerische Ansatz zieht viele bekannte dänische Künstler an. Herman August Kähler legte den Grundstein für eine Künstlerkolonie in Næstved. Die Lüsterfarbe wurde zu seinem Markenzeichen, vor allem die rote Lüsterfarbe. Diese diente bisher nur der Dekoration, aber auf der Weltausstellung in Paris 1889 stellte er eine Vase aus, die vollständig in die metallische rote Glasur eingetaucht geworden war. Die rote Lüsterfarbe und seine Signatur, HAK, wurden zum Markenzeichen Kählers. Es gelang ihm, Kähler Keramik international zu vermarkten. Er nahm an Ausstellungen in der ganzen Welt teil, was das Interesse von Geschäftsleuten und Museen in Paris, New York, Chicago, Malmø, Stockholm, Brüssel, Berlin und San Francisco weckte, um nur einige zu nennen. Herman August Kähler war von zentraler Bedeutung für die Kähler-Werkstatt. Noch heute ist seine Signatur, HAK, auf dem Boden aller Kähler-Produkte zu sehen.

Herman H.C. Kähler (1876-1940)

1917 übernimmt Herman H.C. Kähler das Unternehmen als Nachfolger seines Vaters Herman August Kähler. Die Zeiten und Geschmack haben sich geändert, und Figuren wie menschenfressende Löwen sowie Vasen und Gefäße in kräftigen Farben werden nicht mehr nachgefragt. Herman H.C. wendet sich erneut den alten Töpfertraditionen zu und beginnt, Gegenstände zu produzieren, die mit Malhörnchen dekoriert wurden, einer alten Maltechnik. Er huldigte dem Jugendstil, interpretierte ihn jedoch sehr persönlich. Herman H.C. Kähler vermochte es, seine tüchtigen Porzellan- und Keramikmalerinnen zu inspirieren und anzuspornen, so dass sie sich mit denn verschiedenen Dekorationstechniken auseinandersetzten. Unter Herman H.C: Kähler prägte vor allem die Engobedekoration die Produktion. Obwohl er einer der bedeutendsten Former der Kählerfamilie war und seine künstlerischen Visionen die Werkstatt zum einem Zentrum der Engobierung machte, ist das nicht der Eindruck, den seine Nachfolger von ihm hatten. Daher wird Herman H.C. Kähler nicht als ein besonders markanter Vertreter der Kähler-Familie angesehen, vielleicht weil er nie die Anerkennung erreichte, die seinem Vater Herman August Kähler zu Teil wurde. In dieser Zeit arbeiteten viele bedeutende Künstler in der Werkstatt, die sich weit weniger bescheiden gaben als Herman H.C. Kähler.

Nils Kähler ( 1906-1979) & Herman Jørgen Kähler (1904-1996)

Nils Kähler übernahm zusammen mit seinem Bruder Herman Jørgen Kähler 1940 die Fabrik. Sie waren die letzte Generation Kähler an der Spitze des Unternehmens. Beide Brüder arbeiteten als Former, aber Nils war verantwortlich für die künstlerische Arbeit und Herman J. für die Verwaltung und alle praktischen Belange.

1931 löste Nils den alten Dreher in der Werkstatt ab. Damit begann seine Leidenschaft für das Drehen voluminöser Vasen. Aus Spaß begann Nils, Sparschweine und andere gedrehte Tiere zu modellieren. Normalerweise war das eine Aufgabe für einen Lehrling, aber die Idee mit den gedrehten Tieren als Sammelobjekte wurde ernst genommen und in Produktion gesetzt. Die Tiere wurden zu den beliebtesten Produkten der Kähler-Geschichte überhaupt. Die gedrehten Tiere gaben Nils Gelegenheit, seiner Vorliebe für Nass-in-Nass dekorierte Engobierungen, mit Malhörnchen dekoriert, und Bleiglasuren zu frönen.

Nils Kähler ( 1906-1979) & Herman Jørgen Kähler (1904-1996) fortgesetzt

Nils Kähler vermochte es, dem Trend der Zeit nach Design zu folgen, was sich deutlich in der Produktion widerspiegelt. Obwohl er sich für die alte Töpferei begeisterte, prägten schlichtere Formen die Produktion. Er stellte Gebrauchsgegenstände her, beispielsweise Aschenbecher, Vasen, Kannen und Lampenfüße für die Lampen von Le Klint. Diese wurden aus rohem, unglasiertem Steinzeug mit seiner bevorzugten Salzglasur oder einem kräftigen Türkis hergestellt.

Mit der 4. Generation der Kähler-Familie endet 1974 die Geschichte des Unternehmens als Familienbetrieb. Mehr als 130 Jahre lang war Kähler ein Unternehmen, das die bekanntesten Künstler der jeweiligen Zeit unter seine Fittiche nahm.